Dr. Babette Rohner

Soziale Arbeit Macht

Beratung Macht Wissen

Beratungsfeldanalyse

Die Beratungsfeldanalyse (BeFeA) ist eine strukturelle Analyse des thematischen Feldes, innerhalb dessen eine vielschichtige sozialarbeiterische Beratung angesiedelt ist. Die BeFeA ist eine Kurzberatung, die die Sozial Arbeitenden in schwierigen Beratungssituationen unterstützen soll.
In der Sozialen Arbeit gibt es Beratungen, die mit ihrer Thematik mitten in gesellschaftliche Konfliktfelder verweisen und die damit eine ungeahnte Komplexität entfalten können. Mit der BeFeA werden die gesellschaftlichen, institutionellen und persönlichen Einflussfaktoren, die für das Beratungsthema eine Rolle spielen, herausgearbeitet. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den strukturellen – also den institutionellen und gesellschaftlichen – Vorgaben. Was ist in diesen komplexen Beratungsthemen sozialarbeiterisch bearbeitbar und wo liegen die Grenzen der Sozialen Arbeit? Das Ziel der BeFeA ist es, die Beratungs- und Handlungsspielräume der Sozial Arbeitenden möglichst genau herauszuarbeiten.

Unruheherde

Der Begriff Unruheherd wird in Anlehnung an Michel Foucault (Überwachen und Strafen, 1977) verwendet. Unruheherde in diesem Sinne sind virulente, tief in die Gesellschaft hineinreichende politische Auseinandersetzungen. Sie berühren Lebensbereiche, denen sowohl für die individuelle als auch für die gesellschaftliche Gestaltung zentrale Bedeutung beigemessen wird und entsprechend intensiv können diese Kämpfe auf allen Ebenen der Gesellschaft ausgetragen werden. Ist das Anliegen der Ratsuchenden in solche Unruheherde eingelagert, dann kreuzen sich in der sozialarbeiterischen Beratung diese unabgeschlossenen, umkämpften Themen.

Michel Foucault schreibt in seinen Analysen zur Mikrophysik der Macht:
„Die (Macht, B.R.)Beziehungen sind keine eindeutigen Relationen, vielmehr definieren sie zahllose Konfrontationspunkte und Unruheherde, in denen Konflikte, Kämpfe und zumindest vorübergehende Umkehrung der Machtverhältnisse drohen. Die Umwälzung diese >Mikromächte< gehorcht nicht dem Gesetz des Alles oder Nichts. Sie wird nicht ein für allemal durch eine neue Kontrolle über die Apparate erreicht, ebensowenig wie durch eine Erneuerung oder Zerstörung der Institutionen; vielmehr besteht sie aus einzelnen Episoden, die jeweils in ihr Geschichtsnetz verflochten sind.“ (Überwachen und Strafen, 1977, S. 39)

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Sozialarbeiterische Beratung

Sozial Arbeitende müssen bei beraterischen Unruheherden innerhalb kontroverser gesellschaftlicher Vorstellungen beraten. Die Beratung ist in diesen Situationen für die Sozial Arbeitenden nicht deswegen schwierig, weil die Ratsuchenden ein schwieriges Problem vortragen, sondern weil die Sozial Arbeitenden die gesellschaftlichen Widersprüche vermitteln müssen. Entsprechend widersprüchlich können die Informationen und Lösungsmöglichkeiten sein, die die Sozial Arbeitenden an die Ratsuchenden weitergeben. Die Sozial Arbeitenden müssen Gesetzeslagen u.ä. erklären, welche die Notlage der Ratsuchenden möglicherweise verschärfen und nicht lindern. So können gesetzlich verursachte Zwangslagen entstehen, in denen die Ratsuchenden nur noch zwischen belastenden Alternativen wählen können.
Die Beratungsspielräume können hier sehr eng sein.
Weiterhin gehören zu dieser sozialarbeiterischen Beratung Inhalte, die von der professionellen Haltung der Sozial Arbeitenden abhängen und daher weitergegeben werden können (aber nicht weitergegeben werden müssen).
Die BeFeA dient dazu, die engen Beratungsspielräume auszuloten und Unterstützungsmöglichkeiten in den Zwangslagen von Ratsuchenden herauszufiltern.

Fortbildung

Die BeFeA ist eine Kurzberatung für Sozialarbeitende. Sie wird für Einzelpersonen als auch für Kleinteams angeboten und dauert in der Regel 3 bis 5 Zeitstunden (abhängig von Thema und Teamgröße). In Ausnahmefällen wird auch noch ein zweiter Termin vereinbart.

Ziel der BeFeA ist es, die Sozial Arbeitenden zu befähigen, ihre Handlungsspielräume in den beschriebenen komplexen Beratungen auszuloten und die notwendigen nächsten Schritte präzise herauszuarbeiten. Die BeFeA dient der realistischen Einschätzung sozialarbeiterischer Einflussmöglichkeiten auf die Anliegen der Ratsuchenden.

Termine: nach Vereinbarung.
Kosten: 100,00 € pro Zeitstunde
(Rabatt nach Rücksprache möglich).

Zu meiner Person

Dr. Babette Rohner

Babette Rohner

Qualifikation:
Diplom Sozialarbeiterin, Diplom Soziologin
Dr. phil. in der Sozialen Arbeit

Berufserfahrung:
Seit 1989 professionell tätig in verschiedenen Feldern der Sozialen Arbeit. Schwerpunkt: Beratung zur gleichberechtigten gesellschaftlichen Teilhabe von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit Migrationsgeschichte.
Seit 1988 Dozentin an der TU Berlin, FHVR (jetzt HWR) Berlin, FU Berlin, UdK Berlin, aktuell an der ASH Berlin.

Publikationen

Rohner, Babette (2013): Sozialarbeiterische Beratung in Gesellschaft.
Eine Machtanalyse in den Unruheherden Einwanderungs-, Ehe- und Sozialpolitik.
Wiesbaden: Springer VS.

Rohner, Babette (2015): Wenn die Soziale Arbeit mit dem Gesetz in Konflikt gerät … In: Stövesand, Sabine/Röh, Dieter (Hrsg.): Konflikte – theoretische und praktische Herausforderungen für die Soziale Arbeit. Opladen, Berlin, Toronto: Barbara Budrich.

Rohner, B./Stummbaum, M. (2015): Wie viel Recht verträgt die Soziale Arbeit – Notwendigkeiten und Perspektiven einer professionellen Klärung in der Sozialen Arbeit. In: Soziale Arbeit. Zeitschrift für soziale und sozialverwandte Gebiete. November 2016. S. 402 – 407.

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